BEYOND PUNISHMENT

SYNOPSIS

Three different countries and one case of deadly violence each. Three men who have killed and three families who have lost a beloved one. In our standard idea of guilt and punishment this means three who get punished and three who are meant to forget. No way to imagine the two sides will ever get closer. The film tells three times the impossible story: To meet your enemy, in thoughts, in messages, in real life. In Germany, in Norway, in the US.
BEYOND PUNISHMENT tells the stories of Leola, Lisa and Sean, of Erik and Stian, and of Patrick and Manfred. The people involved in these three life-changing acts of violence have still not found peace – neither the victims nor the offenders. Years after judgements are made and sentences served, both sides are still searching.
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BEYOND PUNISHMENT
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“Wrath and violence rise up in the soul like smoke, and the taste thereof is sweeter than honey.”
Homer, ILLIAS

“Since Homer’s time mankind has endeavored to control wrath and violence. Laws were created, justice systems were created, prisons were created. For the duration of the imprisonment, victims and offenders now were strictly separated.
Hubertus Siegert, director of BEYOND PUNISHMENT

PROTAGONISTS

NORWAY
A young love in Norway ends in a murder when Stian kills his sixteen year old girlfriend Ingrid-Elisabeth out of jealousy. Her father Erik can’t stand the fact that Stian is already, after only a few years in prison, allowed to return to his hometown on leave. Erik is scared that he may run into Stiva.
When Erik and Stian encounter each other indirectly via video recordings, it seems they may be cautiously approaching each other. But will they ever have the chance to meet in person?

USA
Leola and Lisa live in the Bronx near the supermarket where their sixteen year old son and brother was shot. Mother and daughter have been waiting eleven years for Sean – twenty one at the time of the murder and sentenced to forty years in prison for that crime – to admit his guilt. Trying to deal with the loss and to find answers for the seemingly inexpressible led them both to a prison in Wisconsin. By talking to others convicted of murder, they hope to make what happened more tangible and, by hearing the words and explanations of their unknown counterparts, be able to learn to deal with the pain.

GERMANY
Patrick’s father Gerold von Braunmühl, a senior official in the foreign ministry, was killed in 1986 by the militant left Red Army Faction (RAF). Despite a letter claiming responsibility that was left near the crime scene, the names of the perpetrators remained unknown. Patrick has thus been denied the possibility of engaging with his father’s murderers. Years ago, he had met with Birgit Hogefeld, a then detained RAF member. After her release, Patrick hoped for a new chance for a resolution through an encounter – but she was not willing to meet. Instead Patrick finds himself across from someone who has also killed in the name of the RAF: Manfred.

JANINE GESKE,
The former judge and law professor is an exceptional advocate of restorative justice. In 2005 she founded the Restorative Justice Initiative: “The whole approach here is: Who was harmed and what is the ripple effect of that harm? What is the nature of that harm? Psychological, emotional, relational, economic? How do you go about repairing the harm?” 

ABOUT PUNISHMENT

Strafe ist etwas zutiefst Menschliches. Es gibt keine Gesellschaft, keine Religion, die auf Strafe verzichtet.
Ursprünglich basierte Strafe auf dem Bedürfnis nach Rache für erlittenes Unrecht.
Aber Strafe hatte seit jeher auch einen reinigenden Charakter. So schrieb Platon im Nomoi, dass man Menschen, die Unrecht begingen, so lange strafen solle, bis sie man sie wieder in “rechte Bahn gelenkt habe”: “Niemand straft den Missetäter, weil er sich vergangen hat – denn das Geschehene kann er nicht ungeschehen machen, sondern um des Künftigen willen, auf daß weder der Täter selbst wieder Unrecht tue noch ein anderer, der Zeuge seiner Züchtigung war.” Also Strafe als Reinigung der Seele und Resozialisierung (Besserungstheorie). Und als Abschreckung (Abschreckungstheorie). Beide Blickrichtungen sind Teil uneres heutigen Strafrechts.
Nicht angelegt ist die Begegnung zwischen Täter und Opfer, zwischen Hinterbliebenen und Mörder.

ENTSTEHUNG DES FILMES

Wenn ein Kind geboren wird, stellt sich bald die Frage nach der richtigen Erziehung – so erging es auch dem Regisseur Hubertus Siegert. Gemeinsam mit der Mutter des Kindes wurde ihm bewusst, dass das Konzept der Strafe in ihrer Erziehung praktisch keine Rolle spielt. Wohingegen er bei anderen Eltern Strafe als maßgebliches Erziehungselement erlebte.
Er traf den berühmten US-amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg, der das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation entwickelte. Fasziniert von der Idee nahm Siegert an einer 10-tägigen Lehrveranstaltung von Rosenberg teil.
Siegert begann sich zu fragen: Welchen Einfluss hat Gewaltfreie Kommunikation auf das Konzept der Strafe? Und was würde passieren, wenn dieses Prinzip auf Täter und Opfer von Gewalttaten angewandt würde?
Er begann zu Recherchieren, ob dies Stoff für einen Film sein könnte. Schnell wurde klar: Es gab schon viele Filme über Gefängnisse. Allerdings keinen, der nicht polarisierte. Es gab Filme, die forderten mehr Strafe. Die anderen wollten weniger Strafe und mehr Förderung der Gefängnisinsassen. Allerdings entstand in keinem der Filme eine Entwicklung, die man beobachten konnte. Stattdessen lediglich Positionen, die man einnehmen oder ablehnen konnte.
“Die Leidtragenden der Opferseite bleiben emotional an die Vergangenheit gebunden, fühlen sich weiterhin als ohnmächtige Opfer der tragischen Ereignisse und von Staat und Gericht bisweilen furchtbar allein gelassen. Auch die andere Seite stagniert. In dem hermetischen System aus Strafverteidiger, Richter, Staatsanwalt, Gefängnisbediensteten und forensischem Gutachter wird den Delinquenten häufig beigebracht, ihre Vergehen maximal runterzuspielen und sich gleichzeitig „reumütig“ zu zeigen, um die Strafe möglichst gering zu halten.” (Hubertus Siegert)
Also machte sich Siegert auf den Weg, besuchte unzählige Gefängnisse in den USA, Deutschland und Norwegen, traf auf Mörder und Opfer – und fand Menschen, die revolutionäre Konzepte umsetzten, wie zum Beispiel die Jura-Professorin und ehemalige Richterin Janine Geske.

UMSETZUNG

Zunächst drehte der Regisseur Hubertus Siegert alles alleine – zum einen weil der Film in dieser Phase noch nicht finanziert war. Aber vor allem, weil die Protagonisten in einem Zweier-Arrangement sich leichter auf die schwierigen Themen einlassen konnten. Es waren sehr ruhige Drehs. Später übernahmen Markus Winterbauer und Fanny-Lou Ziegler die Kameraarbeit.
Während des Schnittes trifft der Regisseur eine eine radikale Entscheidung: Nirgends im Film gibt es Musik, nicht mal im Abspann: “Anne Fabini hatte den Film zunächst ohne Musik geschnitten und als ich den Rohschnitt anschaute wurde mir bewusst: Das ist es!
Ich wollte keine ‘Stimmung’ machen, keinen ‘musikalischen Kommentar’.”

“RESTORATIVE JUSTICE”

Als Restorative Justice wird ein die traditionelle Vergeltungslogik und Strafphilosophien überwindendes Gerechtigkeitskonzept bezeichnet, das den Fokus Fokus dabei auf das erlittene Leid und dessen Wiedergutmachung legt.
Die UN-Resolution „UN Basic Principles on Restorative Justice“ beschreibt dies wie folgt: „Jegliches Verfahren, in welchem das Opfer, der Täter sowie andere Subjekte oder Gemeinschaften, die von einer Straftat betroffen sind, aktiv und gemeinsam an der Lösung und Bereinigung der Folgen, die sich aufgrund der Straftat ergeben haben, arbeiten; in der Regel mit Unterstützung einer aussenstehenden Fachperson“.

KAMGAGNE

Für den Film wurde eigens eine Kampagne entwickelt, deren Ziel es war Betroffene direkt zu erreichen. Deutschlandweit wurde BEYOND PUNISHMENT in 39 Gefängnissen gezeigt. Der Regisseur Hubertus Siegert war bei 15 Vorführungen anwesend, es fanden Filmgespräche und Diskussionen statt, die aufzeigten, wie einzigartig der Film und wie wichtig das Thema ist.
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REAKTIONEN AUF DEN FILM

„Hubertus Siegert stellt Verbindungen zwischen Tätern und Hinterbliebenen her, er ist weit mehr als nur Beobachter. Er zeichnet starke Bilder, fängt ­beklemmende ­Momente der Stille ein und porträtiert so die Beteiligten dreier Morde, die endlich damit abschließen wollen. Am Ende kann man das Innenleben von Tätern und ­Opfern erahnen.“
Zitty, Johann Voigt

„Aufwühlender Film, der unsere Vorstellung von Schuld und Sühne in Frage stellt. Packend!“
TV Movie Digital

„Siegert sucht nach den Gefühlszuständen jenseits von Strafe und Vergeltung, beobachtet, wie sich die Hinterbliebenen langsam mit der direkten Konfrontation mit dem Täter auseinandersetzen. Siegert hat sich für den – einzig richtigen – Weg der distanzierenden Beobachtung entschieden.“
Badische Zeitung 
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FILMPREISE

BEYOND PUNISHMENT wurde auf dem 36. Filmfestival Max Ophüls Preis uraufgeführt und erhielt dort die Auszeichnung Bester Dokumentarfilm 2015.
Nominierung Hessischer Filmpreis, 2015 und Metropolis-Preis, beste Regie Dokumentarfilm.
In der Jurybegründung heißt es, der Regisseur weise „über mehrere Jahre der Beobachtung […] nach, dass Versöhnung vielleicht nicht möglich ist, aber Bewältigung durch Auseinandersetzung schon“. Dem Regisseur gelinge es, „mit Respekt und Einfühlungsvermögen diesen Prozess auf beiden Seiten sichtbar zu machen“
Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verlieh dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“. In der dortigen Jurybegründung heißt es, Siegert gelinge es „auf beeindruckende Weise“, die „Komplexität der Zusammenhänge [zu] erfassen“. Der Film sei „dramaturgisch geschickt aufgebaut und erzeugt eine enorme Spannung“.
BEYOND PUNISHMENT wurde als einer von drei Filmen offiziell für den Deutschen Filmpreis 2015 in der Kategorie Bester programmfüllender Dokumentarfilm nominiert.

CREDITS

98 min, 1:1.85, DCP 5.1 © S.U.M.O. Film 2015
Script, director, production: Hubertus Siegert
Coproduction: Udo Bremer, ZDF/3sat Christian Popp, DOCDAYS
Editing: Anne Fabini
DOP: Marcus Winterbauer, Jenny Lou Ziegel
Sound department: André Zacher

WEITERFÜHRENDE LINKS:
Interview mit Hubertus Siegert über seinen Film BEYOND PUNISHMENT.